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Reisebericht Rio de Janeiro 2015

Rio de Janeiro weckt Erwartungen – vor allem betreffend Musik und feiernden Leuten, Rio schreckt auch ab – von dem was man in Europa hört und liest über Gewalt und Kriminalität. Unsere Erwartungen waren entsprechend hoch, vielleicht sogar etwas zu hoch. Rio konnte sie nicht (ganz) erfüllen. Doch nun der Reihe nach in unserem Blogbericht über Rio de Janerio.

Wir kamen aus Foz do Iguaçu an, wo uns Reisende erzählten, dass sie gerade in Rio waren und die Vorboten des Karnevals schon deutlich zu sehen und hören waren. Wir haben nicht weiter nach gefragt und uns einfach auf Rio gefreut. Vom internationalen Flughafen (GIG) ist Ipanema, aber auch die Copacabana, bequem mit dem Onibus zu erreichen, der direkt vor dem Terminal abfährt. Er verkehrt – so sagt man – ca. alle 20 min, kostet R$14.65 (5 Euro oder CHF 5.15) und dauert – je nach Verkehr – 1.5 bis 2 Stunden. Nach ein paar Tagen haben wir festgestellt, dass die Verkehrsachsen der Stadt grösstenteils Nord-Süd verlaufen und wir Teile der Strecke vom Flughafen nach Ipanema mehrmals wieder hoch und auch wieder runter gefahren sind. Darum würden wir bei einem nächsten Mal ein Hostel in einem anderen Stadtteil, zum Beispiel Lapa, aussuchen. Das Che Lagarto Ipanema eignet sich vor allem für diejenigen, welche den ganzen Tag am Strand liegen wollen . Denn wir haben bereits am ersten Tag festegestellt, dass die Ausgehmöglichkeiten in Ipanema nicht so breit angesiedelt sind, wie wir uns das erhofft und erwünscht hatten. Etwas enttäuscht gingen wir an jenem Montag mit ein paar Caipirinhas im Bauch schlafen.
Tagsdarauf riefen die Strände von Ipanema und Copacabana. Auf ein paar Fotos konnten wir einen belebten Strand darstellen, in Wirklichkeit war aber herzlich wenig fröhliches Treiben auszumachen. Wieder kein Strandleben, keine knappen Bikinis. Wieder eine kleine Enttäuschung. Leidet Rio an einem Vor-Karneval-Blues? Ist das teilweise regnerische Wetter Schuld? Ein Caipirinha am Strand in Ehren, das macht die Copacabana auch nicht lebhafter. Auf jeden Fall haben wir uns mit dem Bus Nummer 511 von Ipanema in Richtung Urca und Pao de Açugar aufgemacht. Die Busse kosten immer R$ 3.40 und verkehren zuverlässig und in grosser Anzahl in alle Stadteile. Die (Schweizer) Seilbahn auf den Zuckerhut kostet saftige R$ 62. ( CHF 21 oder 19.60 Euro). Machen kann man auf dem Zuckerhut nicht allzuviel. Die Aussicht ist toll, jedoch war es etwas nehblig zu dieser Zeit und sogar der Corcovado war kaum zu sehen. Für den Abend hatten wir eine Lehrstunde in einer Sambaschule mit anschliessender Sambaclub-Tour reserviert. Leider hat uns der Besitzer und Lehrer kurzfristig eine andere Gruppe vorgezogen und uns daher abgesagt. So versuchten wir unser Glück am Abend in Leblon. Auch für diesen Stadtteil waren die Kritiken für Bars im Reiseführer und im Internet durchweg positiv. Aber auch da wurden wir nicht so richtig glücklich.
Am nächsten Tag haben wir uns vorgenommen, das Zentrum (Central) und auch den Stadtteil Lapa anzuschauen. Viele Busse fahren von Ipanema nach Norden, mit Nummer 161 oder auch mit der Metro ist es leicht zu erreichen. Das Zentrum hat bei uns einen „richtig“ südamerikanischen Eindruck hinterlassen. Es gab neben grossen Geschäftshäusern auch unsere geliebten kleinen Essstände am Strassenrand, heruntergekommene Bars mit günstigem Bier, die berühmte bunte Treppe (Escadaria Selaron) und – als Highlight – ein Strassenfestival. Überall gingen kleine Caipirinhastände auf, Burger- und Wurststände sprossen aus dem Boden. Auf der Bühne spielte ein Liveband und in weiteren Zelten wurde zu brasilianischer Musik getanzt. Endlich, der Beweis, Rio lebt! Hier blieben wir bis weit in die Nacht, schliesslich kosteten die Cairpirinhas im 7dl (!) Becher unglaubliche R$ 7, also CHF 2,30 😉
Tag drei begann regnerisch, sodass wir uns ernsthaft überlegten, die Christusstatue auf dem Corcovado auszulassen, da sie komplett im Nebel war. Der Plan B war das grosse und sehr moderne Shopping Center RIO SUL, wo praktischerweise alle Busse vorbeifahren. Da sich der Regen etwas verzog und sie Sicht besser wurde, sind wir schliesslich dennoch zur Statue hochgefahren. Man muss da quasi auf ein Turismo Collectivo umsteigen, das R$ 25 kostet und dann noch Eintritt zahlen zum „Nationalpark“, R$ 34. Hin kommt man mit Bus Nummer 483. Alles in allem ein kostspieliger Ausflug, die Aussicht ist aber echt toll. Eigentlich sogar besser als vom Zuckerhut. Wer wenig Zeit hat, dem sei empfohlen, den Corcovado dem Pao de Açugar vorzuziehen.
Verabschiedet haben wir uns aus Rio mit dem Bus, schliesslich haben wir genügend Zeit im Bus verbracht, um auch noch den etwas ausserhalb liegenden Rodoviaria Novo Rio zu finden. Bus Nummer 404 fährt am Sambadromo vorbei bis zum Busbahnhof. Leider werden wir das Sambadromo während des Karnevals nicht miterleben, denn wir haben Rio in Richtung des Kolonialstädtchens Ouro Preto im Bundesstaat Minas Gerais verlassen.

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