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Reisebericht Bogota 2013

Nach Bogota ging ich mit tiefen Erwartungen. Die Kolumbianer aus Medellín, mit denen ich nun vier Monate verbracht habe, haben mich alle gewarnt: zu viel Verkehr, viel zu gross, viel zu gefährlich und vor allem bitterkalt.

Es besteht eine ständige Rivalität zwischen den zwei grössten Städten Kolumbiens: Bogota und Medellín. Das ist etwa ähnlich wie bei den Zürchern und den Baslern. Für die Rolos (Bewohner aus Bogota) ist es unvorstellbar, in einer so kleinen („nur“  2.7 Millionen Einwohner) und traditionellen Stadt wie Medellín zu wohnen. Die Paisas (Bewohner aus der Region von Medellín) spotten über das kalte Bogota.

Wo ist es denn jetzt besser?

Zuerst einmal zu den Vorurteilen

Wir schlimm ist der Verkehr in Bogota?

Ja, die Hauptstrassen sind verstopft und die Distanzen viel grösser. Taxipreise sind auch etwas teurer als in anderen Städten Kolumbiens. Praktisch ist aber die Transmilenio, das Bussystem, das ähnlich wie eine Strassenbahn funktioniert. Der Bus hat eine eigene Strassenlinie und ist daher auch während der Rushhour ein schnelles Fortbewegungsmittel. Achtung, hier wird auch einmal richtig gequetscht.

Findet man sich in Bogota zurecht?

Bogota ist riesig! 7 Millionen Einwohner genau gesagt. Wir sind mit der Seilbahn auf den Montserrate Hügel hinauf. Von dort hat man eine wunderschöne Sicht auf die ganze Stadt.

Ist Bogota gefährlich?

Wie an allen Orten von Kolumbien die ich nun bereist habe, bin ich noch nie in eine gefährliche Situation geraten. Klar muss man auch hier aufpassen und nachts nicht alleine herumlaufen, aber das gilt ja überall.

Ist Bogota kalt?

T-Shirt und Flipflops sind hier nicht angebracht: 1. ist es zu kalt und 2. würde man sich zu 100% als Touri outen. Auch noch Ende Oktober reichte mir tagsüber ein Strickjäckchen über dem T-Shirt und nachts dann eine Jacke.

 

Aber was ist jetzt meine Meinung, ich als Aussenseiter, weder Rolo noch Paisa?

Es ging nicht lange, und da habe ich mich in Bogota verliebt. Die Stadt ist so vielseitig, so international, vereint viel Kultur und Geschichte und wenn man durch die Strassen schlendert merkt man so richtig: Das ist eine Stadt.

Bogota Reisetipps

La Candelaria

Mein Hostel Musicology war in la Candelaria, in der hübschen Altstadt. Hier gibt es einerseits die Regierungsgebäude und einige andere historische Gebäude, andererseits ganz viele kleine farbige Strassen mit schönen Kaffees. Es sind eigentlich fast alle Hostels in la Candelaria.

Mein Hostel war besonders kuul. Das Nachtessen war im Preis inbegriffen und daher traf man immer alle Leute ca. ab 19:00 beim Essen an der Bar. Danach habe ich mir dann auch gleich ein paar Leute geschnappt und bin mit denen um die Häuser gezogen. Es war wahrscheinlich das günstigste Hostel, das ich je hatte. Ein Bett im 10er Zimmer kostet zwar wie sonst ca. auch 22‘000 (11Fr.) ABER Frühstück UND Abendessen bekommt man noch gratis dazu. Das Essen war immer super und im meinem 10er Zimmer waren auch nur 3 Leute.

Wo Essen in Bogota?

Typisches Essen von Bogota habe ich natürlich auch ausprobiert: Tamales und Sancocho. Das kriegt man auch an allen Strassenecken für wenig Geld. Beim Schlendern durch die Strassen habe ich noch ein geniales Restaurant entdeckt: Boulevard Sesamo (Avenida Jiménez 4 – 64 Eje Ambiental). Dort gibt es ein vegetarisches Mittagsmenü für 7000 COP (ca. 3.50Fr.) und beinhaltet das Hauptgerich (zB. verschiedenes Gemüse, Reis, Bohnen, Tofu Frühlingsrolle), frischer Papayasaft, Suppe, einen kleinen Salat und eine Banane.

Tipps fürs Nachtleben in Bogota

La Locura!!! – kann ich da nur sagen. Bestimmt gibt es keinen anderen Ort in Kolumbien, wo es so viel Auswahl an Nachtleben gibt. Zweimal war ich in la Candelaria feiern. Alle Bars und Discos sind in Gehdistanz. So kam es, dass ich an einem einzigen Abend in einer Reggae Bar, an einem kleinen Rockkonzert, an einer Homeparty von kolumbianischen Vollblutmusikern und in dem besten Klub seit meiner Zeit in Kolumbien war. Der Klub heisst übrigens einfach Candelario. Die Musik ist ein Mix aus Lateinischen Rhythmen und Electro und der Cuba Libre kommt mit 70% Rum und 30% Cola. Das Viertel hat so einen Hauch von „underground Szene“ und lockt vor allem Studenten an.

Ein Hauptausgehviertel ist die Zona Rosa. Ich war schon fast schon geschockt, wie viel dort los war. Ein Club nach dem anderen und überall Leute auf den Strassen, wie in der Schweiz vielleicht an der Fasnacht. Wir sind mit dem Partybus vom Hostel dorthin gefahren. Sonst muss man auf jeden Fall ein Taxi nehmen. Hier sind viele Clubs ziemlich ähnlich: Raeggeton und Charts, viele Ausländer, Preise etwas höher. Eigentlich bevorzuge ich Orte mit etwas mehr Charme, wie in la Candelaria, aber die Zona Rosa darf man bei einem Besuch in Bogota auf keinen Fall auslassen.

Geheimtipp für Bogota

Mirador la Paloma. Etwas oberhalb der Stadt treffen sich viele Kolumbianer um die Aussicht auf die Stadt zu geniessen und natürlich Aguardiente und Cerveza zu trinken. Da oben zu sein hatte für mich fast schon etwas mythisches, mit all den Lichtern der Stadt.

 In Bogota habe ich vier Tage verbracht und ich muss sagen: zum Glück komme ich nochmals hierhin. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken. Manchmal macht es auch einfach Spass, Leute zu beobachten. Hier trifft man alles, von dem typischen traditionellen Kolumbianer, über Hipster, Punks, Hippies, oder schicke Geschäftsleute. Als ich übrigens bei Juan Valdez (wie Starbucks aber Original Kolumbien) war, haben ein paar Anzugträger gerade ihre Geschäfte am Tisch nebendran abgewickelt.

Für meine nächste Reise nach Bogota habe ich noch zwei Sachen auf der To-do Liste: die unterirdische Salzkathedrale Zipaquirá, und das berühmteste Restaurant Kolumbiens, das Andrés Carne de Res zu besuchen.

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