obinatravel

Reisebericht Jardin 2013

Mein Lieblingsort Jardin – der Geheimtipp

Der Lonelyplanet Reiseführer ist für den Standard Backpacker die Bibel. Auch ich trage das Buch auf den Reisen ständig mit mir mit. Nun soll das aber nicht heissen, was nicht im Lonelyplanet steht, ist nicht gut. Meinen absoluten Lieblingsort in Kolumbien habe ich nämlich ganz ohne Hilfe des Reisebegleiters gefunden.

Jardin ist ein kleines Dorf in den wunderschönen Bergen Antioquias mit farbigen Häusern im Kolonialstil. Am Tag wohl einer der idyllischsten Orten überhaupt, in der Nacht verzaubert sich das Dorf in ein tosendes Nachtleben rund um den Hautplatz. Nach Jardin bin ich ziemlich ahnungslos und ganz spontan mit ein paar anderen Austauschstundeten gefahren. Vielleicht ist der Ort auch gerade deswegen so toll, weil die Lonelyplanet Anhänger noch nicht dort herumwimmeln, wie zum Beispiel im touristischen Salento in der Kaffeezone. Ganz einfach ein Geheimtipp halt.

In Jardin gibt es nur genau ein Hostel, welches etwas ausserhalb des Zentrums liegt. Zum ersten Mal traf ich im Hostel nur Kolumbianer an. Das ist in Kolumbien sehr untypisch, da die Kolumbianer normalerweise in Hotels übernachten und für Wochenendausflüge in das eigene Landhaus fahren. Zudem gibt es an den bekannteren Orten bereits eine ziemliche Invasion von Rucksacktouristen aus Europa, Nordamerika und Australien.

Das Hostel organisierte Reitausflüge, für was wir uns natürlich sofort begeistern konnten. Fünf Stunden auf dem Rücken der dünnen halb-Pferd / halb-Maultier / halb-Esel waren aber definitiv zulange. Als wir den Berg heraufgeritten sind, konnten wir zwar eine wunderschöne Aussicht geniessen, jedoch mussten wir den steilen, steinigen Hang auch wieder herunterreiten. Die Pferdchen schlipften immer wieder aus und brachen fast zusammen. Ich hatte also so Mitleid mit den klapprigen Tieren, dass ich das nicht unbedingt nochmals unterstützen möchte.

Der Abend in Jardin war einmalig. Auf dem ganzen Hauptplatz sind Tische und Stühle, die spätestens ab dem Eindunkeln besetzt sind. Rundherum befinden sich Bars, Restaurants und viele Essensstände. Wir haben und also ein paar Bier im Supermarkt gekauft, Arepas und Empanadas an Essensständen besorgt, und uns einen Tisch ausgesucht, wo wir das bunte Treiben beobachten konnten. Man hatte das Gefühl, das ganze Dorf trifft sich am Abend am Hauptplatz. Die Leute ziehen von Bar zu Bar, aber nicht zu Fuss, sondern zu Pferd. Die Frauen putzen sich raus und reiten Runden um den Hauptplatz, um sich vorzuführen. Die Männer nehmen in jeder Bar einen Shot Aguardiente und reiten wieder weiter.

Zudem habe ich in diesem Dort die nettesten Leute meiner ganzen Kolumbienreise getroffen. Ein Erlebnis, dass ich nicht vergessen werde:

Ich habe einen alten Museumwärter gleich nach der Ankunft nach dem Weg gefragt. Der hat mir und meinen Freundinnen dann aber nicht nur den Weg erklärt, sondern uns kurz ins Haus gebittet, und auf seinem Schreibtisch mit zittriger Handschrift (alles in Grossbuchstaben) gleich eine ganze Liste mit Sehenswürdigkeiten auf einen Zettel geschrieben.

zB: Kirche, zwei Häuserblöcke

Süssigkeitenladen, drei Häuserblöcke

Museum, ein Häuserblock

Aussichtspunkt, vier Häuserblöcke,..

Zum Schluss durften wir alle eine Zahl zwischen 1-10 aussuchen. Diejenige, die am nächsten bei der Zahl war, die er sich ausgedacht hatte, bekam sein Armband geschenkt. Leider gewann ich nicht, aber ich werde mich auch ohne dieses Andenken an „Luis“ erinnern.

Kommentare