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Reisebericht Ho Chi Minh (Saigon) 2014

Ho Chi Minh

Unser Flugzeug erreichte Ho Chi Ming um ca. 18.00 Uhr. Der Flug sowie die Landung verliefen holperig und wir waren froh, wieder einen sicheren Boden unter den Füssen zu haben. Die Hinreise durch die City in unser Hotel genügte, um das ruhige Hoi An zu vermissen. Nun waren wir wieder in einer grossen, nicht besonders schönen, lärmigen und verkehrsreichen Stadt, vergleichbar mit anderen asiatischen Grossstädten wie Bangkok, Hanoi etc. Wir müssen zugeben, dass wir diese Art von Städten langsam gesehen haben und sie auch ziemlich ermüdend sind. Auf der Essenssuche in den umliegenden Strassen unseres Hotels wird man innerhalb von 5 Minuten mindestens 20x angehupt und alle 2 Meter von einer neuen Person angesprochen (ob man nicht ein Restaurant, Massagestudio, Club etc. besuchen möchte). Wenn wir das Angebot ablehnten, wurden uns in einem zweiten Schritt nicht selten Drogen angeboten.

Am ersten Tag besuchten wir die Kathedrale „Notre Dame“, angelehnt an diejenige von Paris. Neben den beiden Türmen sahen wir jedoch keine grossen Ähnlichkeiten mit dem berühmten französischen Pendant. Trotzdem war sie in einem schönen französischen Styl gebaut und gefiel uns sehr gut. Ausserdem entdeckten wir seit langem wieder einmal ein grosses Shoppingcenter in welchem es Europäische Läden wie z.B. Mango, Batta gab. Dies war natürlich ein Paradies für Damaris, da die asiatischen Klamotten, welche auf den Night Markets und in den kleinen Ramschläden verkauft werden nicht wirklich ihrem Geschmack entsprechen ;).

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Wer sich für die Geschichte des Vietnamkrieges interessiert, hat in Saigon einige Möglichkeiten, mehr darüber zu erfahren und Kriegsschauplätze aus nächster Nähe zu erleben. Der „Vietcong“ (Nationale Front für die Befreiung Südvietnams) baute während dem Vietnamkrieg ein riesiges unterirdisches Tunnelsystem (in Wirklichkeit wurden zahlreiche Tunnels bereits vor dem Krieg erstellt). Dieses verschaffte ihnen im Kampf gegen Südvietnam und der USA einen entscheidenden Vorteil. Völlig unbemerkt konnten auf diese Weise Soldaten durch den Dschungel schleichen und Angriffe aus dem Hinterhalt durchführen. Wir unternahmen einen geführten Ausflug zu diesen „Cu Chi“ Tunnels, die mitten im Dschungel versteckt sind. Die Eingänge sind mit Erde und Laub bedeckt und nur durch Wissen oder Abklopfen nach Holräumen auffindbar. Es war wirklich unglaublich eindrücklich, wie extrem eng und niedrig diese gebaut waren. Wir stellten uns vor, wie die vietnamesischen Soldaten in dieser stockfinsteren Umgebung bei unmenschlicher Hitze durch den Schlamm kriechen mussten und immer wieder auf Ratten, giftige Tiere oder auch Leichen stiessen. Zudem mussten sie jederzeit aufpassen, keine Mienen oder auch selbstgebastelte Fallen auszulösen. Dazu kommen noch die Geräusche von Gewehrschüssen und die Erschütterungen von Granaten. Wir verbrachten keine 5 Minuten in einem trockenen, beleuchteten Tunnel mit der Sicherheit, dass uns nichts geschehen wird. Dennoch waren wir froh, als wir wieder im „sicheren Dschungel“ waren ;).

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Hier noch eine Küche, die direkt mit den Tunnels verbunden ist:

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Die untenstehenden Bilder geben einen Einblick in die brutalen Fallen, die entwickelt und teilweise auch in den Tunnels versteckt wurden. Das Tunnelsystem selbst ist sehr klever gebaut. So sind sie mit Luftlöcher ausgestattet, welche zwar die Tunnel mit Sauerstoff versorgen, von den Gegnern jedoch teilweise mit Giftgas gefüllt wurden.

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Als Snack bekamen wir noch eine geschälte und gekochte Wurzel, die man in ein Gewürz dippen und anschliessend verspeisen konnte. Sie schmeckte nicht mal schlecht und gab einen Einblick in die Verpflegung der damaligen Zeit. Denn diese Wurzel stellte einen wichtigen Teil der Ernährung für die Vietcong dar, da sie sehr nahrhaft und lange haltbar ist. Der Besuch dieser Tunnelanlage war sehr Interessant, geht einem aber auch nahe. Dieser Ausflug war zudem preiswert und auf jeden Fall lohnenswert. Diese berühmte Sehenswürdigkeit ist natürlich auch bei Anderen sehr beliebt, weshalb man sie mit unzähligen Touristen teilen muss. Später haben wir vernommen, dass bei einem Besuch am Nachmittag weitaus weniger Leute anzutreffen sind.

Da die Tour nur einen halben Tag dauerte, hatten wir am Nachmittag noch genügend Zeit, das „War Museum“ anzusehen. Zugegeben, es ist sehr Propaganda lastig und hauptsächlich aus Opfer-Sicht der Vietnamesen dargestellt (in Vietnam heisst der Vietnam Krieg übrigens „American War“ 😉 ). Das war jedoch interessant, da wir aus Dokumentations- und Spielfilmen meist die westliche Perspektive mit dem „bösen Vietcong“ kennen. Der grösste Teil besteht aus Fotografien, welche direkt während dem Krieg aufgenommen wurden. Darunter auch das bekannte Bild „Napalm Girl“. Zu jedem Bild war auf Englisch eine kurze Erläuterung geschrieben. Zuerst waren wir geschockt, dass so viele Fotografien von Opfern ausgestellt werden dürfen. Man kann sich dadurch jedoch besser in das Entsetzen dieses Krieges hineinversetzen, sie lassen ihn sehr real erscheinen. Das nahm uns sehr mit. Es ist furchtbar, wie viele unschuldige Menschen, darunter auch unzählige Mütter und Kinder, gestorben sind. Während dem Krieg wurde von den USA das Entlaubungsmittel „Agent-Orange“ grossflächig eingesetzt. Um dessen Folgen (die noch heute Neugeborene von Betroffenen schädigen) aufzuzeigen, sind auch viele Bilder von Opfer ausgestellt. Wir hatten Mühe, uns die Bilder von Toten Soldaten, Frauen und Kindern anzuschauen (einige davon zeigen wirklich unschöne Szenen von komplett entstellten Leichen). Unsere Meinung nach wurden jedoch zu viele Bilder von Kinderopfern ausgestellt (es gibt auch zwei echte Embryonen, die wegen den Nachwirkungen von Agent Orange stark verkrüppelt sind). Wir hatten den Eindruck, dass diese auch zu Propaganda Zwecken missbraucht wurden.

Diesen trüben, nachdenklichen und traurigen Tag wollten wir mit einem fröhlicheren Gedanken abrunden. Somit entschlossen wir uns am Abend, in die Clique Skybar zu gehen. Wir beeilten uns mit dem Duschen und umziehen damit es noch zur Happy Hour reichte. Da bis anhin noch nie ein Dresscode verlangt wurde (nicht einmal in Honkong), entschlossen wir uns bei dem warmen Wetter auch für Flipflops und schicke Shorts. Dies genügte den asiatischen Ansprüchen der netten Dame jedoch nicht (Sie vermittelte uns das Gefühl, sie wollten gar keine Touristen darin). Somit hatten wir jedoch auch keine Lust mehr, umzukehren und es besser gekleidet nochmals zu versuchen. Nicht all zu spät legten wir uns nach einem gemütlichen Abend ins Bett, denn um 8.00 Uhr am nächsten Morgen startete schon unsere nächste Tour und gleichzeitig auch die Weiterreise ins Mekong Delta. Was wir dort alles Schönes erleben durften, könnt ihr in unserem nächsten Blogeintrag lesen.

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