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Reisebericht Okavango Delta 2013

Der eigentliche Grund, weshalb ich nach Maun kam, war der Besuch des Okavango Deltas. Der Okavango bringt riesige Wassermassen aus Angola bis nach Botswana, wo diese vom durstigen Wüstenboden verschluckt werden. Es entstand so ein spezielles, sumpfartiges Gebiet, das sehr reich an Tieren und Pflanzen ist.

Wiederum früh morgens sind wir mit dem Motorboot gestartet, um während rund einer Stunde tiefer ins Okavango Delta einzudringen. Auf einem Einbaum, der mit einer langen Holzstange vorangetrieben und gesteuert wird, gelangt man auf Wasserkanälen an Inseln und Flusspferden vorbei an den „Campingplatz“. Es gibt hier natürlich weder fliessendes Wasser noch irgendwelche andere Infrastruktur. Und das ist auch gut so. Wir (das heisst drei andere Leute aus dem Backpackers und ich) haben dann unsere Zelte aufgeschlagen und einige Versuche gestartet, ein „Mokoro“ (=Einbaumboot) zu steuern. Sieht einfacher aus als es in Wirklichkeit ist. Am Nachmittag haben wir uns auf einen Spaziergang, das heisst „sunset walk“ gemacht. Dabei haben wir wiederum Zebras, Gnus, Antilopen und Büffel gesehen und deren Exkremente kennengelernt. Nach einem (weiteren) herrlichen Sonnenuntergang in Botswana sind wir zum Camp, wo am Lagerfeuer Steaks (der Australier…), Toasties (die Amerikanerinnen…) und Spaghetti aus der Dose (der Schweizer…) zubereitet wurden. Die Nachtruhe mitten in der Natur wurde nur durch Hipporufe, Löwengebrüll und durch Elefanten ungedrückte Bäume „gestört“. 

Am nächsten Morgen stand nochmals eine ähnliche Wanderung auf dem Programm. Da haben wir zudem Giraffen und Adler gesehen. Es ging dann schliesslich wieder gemächlich in Richtung Backpackers, wo ich noch dies und das erledigte, bevor ich mich auf den Weg nach Namibia machte.

 

Im Backpackers in Maun hatte ich einmal ein paar ruhige Minuten, um mir über die bisherige Reise und die Erlebnisse in Afrika Gedanken zu machen. Mir ist aufgefallen, dass viele Leute, die einem etwas verkaufen wollen, sehr freundlich und zuvorkommend sind. Verkäufer von Souvenirs zum Beispiel versuchen stets höflich auf jemanden zuzugehen und sich erst mal selbst vorzustellen. Sie sagen wie sie heissen und wollen wissen woher man kommt. Das Prozedere ist stets das Gleiche, sie versuchen halt auch ein Stückchen vom Kuchen zu bekommen. Diese Verkäufer sind wirklich sehr höflich und lassen meistens nach dem dritten Mal „no thank you“ nach und ziehen von dannen. Auf der anderen Seite die Angestellten in Restaurants, Hostels, Campingplätzen etc., die teilweise einen sehr demotivierten Eindruck bei mir hinterliessen. Ich bin aber der Meinung, dass sich diese Leute glücklich schätzen dürfen, in einer so wunderbaren Branche wie dem Tourismus arbeiten zu dürfen. Es braucht oft gar nicht viel, und man erhält als Tourist das schöne Gefühl, willkommen zu sein. Leider hatte ich das eine oder andere Erlebnis, wo ich mich fragen muss, weshalb andere Leute bei schlechtem Service und zum Teil hohen Preisen stets zufrieden sind und sogar noch Trinkgeld geben. An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass ich hier von Leuten spreche, die einen (verhältnismässig) gut bezahlten Job haben, ihre Leistung aber nicht immer dem Preisniveau entspricht. Das enttäuscht mich und ist für die Zukunft Afrikas sicher nicht förderlich. Selbstverständlich ist eine Vielzahl an Afrikanern auf Hilfe angewiesen, das ist unbestritten. Ich bin aber klar der Meinung, dass wir Afrika einen Bärendienst erweisen, wenn wir schwache Leistungen einfach goutieren und belohnen.

Weiter ist bemerkenswert, wie „stolz“ (oder mittlerweile selbstverständlich) die Leute heutzutage auf Cola in Dosen und genügend Benzin sind. Leider sind fast alle Leute hier umso verschwenderischer mit diesen Mitteln. Es wird möglichst immer, wirklich immer Cola oder Fanta getrunken, man kann es sich ja schliesslich leisten. Wer trinkt schon Wasser? Und wie bereits einmal erwähnt, Motoren laufen immer, wirklich immer. Benzin scheint nichts zu kosten. Es mag Luxus sein, oder wie es ein Busfahrer den ich darauf ansprach sagte, er macht das, dass die Leute meinen er fahre gleich ab… Die kürze Diskussion wäre beinahe eskaliert, es ist weit und breit kein Verständnis für Motorabstellen vorhanden. Ich sagte, ob er mir auch etwas Geld geben könne, wenn er genug hätte um den Motor 1,5 Stunden laufen zu lassen und ob er gern Luft direkt aus dem Auspuff einatmen würde. Er hat es verstanden, aber nicht verstanden.

Ja, ganz allgemein, und auch nach dieser Situation, frage ich mich: müssen wir, das heisst der Norden, der das Weltgeschehen ohnehin bestimmt, Afrika aufzeigen was richtig und falsch ist (unserer Ansicht nach)? Müssen oder sollen oder dürfen wir Afrika zeigen, was Umweltschutz bedeutet? Sollen sie die gleichen Fehler machen wie wir? Auf jeden Fall würden es viele als Verlust aufnehmen, könnten sie den Motor nicht mehr beliebig laufen lassen oder es wäre eine Einschränkung, wenn man Cola Dosen nicht mehr ins Feld werfen dürfte. Schwierig. Wo ist die Grenze, was wir, was ich, sagen dürfen und darf? Ich weiss es nicht.

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